https://äbe.ch

Allerlei über Bienen und Honig



HonigWundheilung aus der Wabe

Bonner Kinderärzte behandeln Hautverletzungen erfolgreich mit Honig.

Bei vielen Verletzungen ist der "Medihoney" wirksamer als jedes moderne Antibiotikum. „Medihoney“ – medizinischer Honig. Er leuchtet goldbraun, riecht wie Akazienhonig und ist ziemlich klebrig. „Antibakteriell“ steht auf der Tube, heraus tropft echter Honig.   Erfahrungen an der Universitäts-Kinderklinik Bonn: Bei vielen Verletzungen ist der Honig wirksamer als jedes moderne Antibiotikum. Zusammen mit Kollegen aus Düsseldorf, Homburg und Berlin wollen sie die effektive Wirkung nun in einer Studie absichern.

„Ich war auch skeptisch“, sagt Arne Simon, Kinderarzt an der Bonner Universitätsklinik. Als ein Junge mit einer Operationswunde auf seine Station kam, in der sich der multiresistente Keim MRSA festgesetzt hatte, probierte er es mit dem Honig – „und innerhalb von 48 Stunden war die Wunde steril“.
Seitdem wurde Medihoney bei etwa 50 Kindern eingesetzt mit dem Resultat dass Ihre Wunden, verursacht durch Katheter oder Operationen, schneller heilten und abgestorbenes Gewebe wurde schneller abgestossen.

Der meiste Honig vom Supermarkt ist nicht für den klinischen Einsatz geeignet. Er ist pasteurisiert und damit sind die wertvollen Inhaltsstoffe verloren. Der Medihoney des Unternehmens Capilano aus Australien, den die Bonner Ärzte verwenden, wird mit Gammastrahlen behandelt um Keime unschädlich zu machen.

Produziert wird der Wundheiler von Bienenvölkern in Australien und Neuseeland. Sie sammeln ihren Nektar, von den Blüten von Teebäumen. Honig aus dieser Pflanze soll besonders stark antibakteriell wirken.

Dass Honig helfen kann ist nicht neu, schon vor tausenden Jahren setzten es die Ägypter ein, auch in beiden Weltkriegen wurden Soldaten mit in Honig getränkten Verbänden behandelt. Was aber kann Honig, was herkömmliche Antiseptika nicht können? Biologen vom Honigforschungsinstitut der Universität von Waikato auf Neuseeland, haben Erstaunliches herausgefunden.

Honig setzt mehrere Eigenschaften zur Wundheilung ein:
Bakterien bekämpfen: Der hohe Zuckergehalt ist ein effektives Mittel gegen Bakterien aller Art, es entzieht ihnen das zur Vermehrung notwendige Wasser.
Keim- und Geruchskiller: Da helfen verschiedene Enzyme, die die Bienen dem Honig während der Produktion zusetzen, allen voran die Glucose-Oxidase. Durch Wechselwirkung mit dem Wundsekret bildet diese kontinuierlich in niedrigen Mengen Wasserstoffperoxid. Diese Substanz, tötet Keime wie MRSA oder Akinetobacter ab. In anderen Studien zeigte sich, dass Honig das Wachstum der Fibroblasten fördert. Das sind die Zellen, die die abschliessende Phase der Wundheilung einleiten.

Nebenbei sorgt der Honig dafür, dass sich Verbände einfacher wechseln lassen, weil er die Wunde stets feucht hält. Unangenehme Gerüche werden durch den Honig neutralisiert. Vermutet wird, dass die Wundbakterien durch das Angebot von Zucker ihren Stoffwechsel umstellen, so dass es erst gar nicht zur Geruchsbildung kommt.

Vor allem bei Kindern, die eine Chemotherapie bekommen, sei das Naturprodukt unschlagbar, entzündet sich etwa der unter der Haut implantierte Portkatheter, dauert es normalerweise bis zu acht Wochen, bis die recht tiefe Wunde verheilt ist. Mit Medihoney dauert es nur die Hälfte der Zeit.“ Grösster Pluspunkt: Die Bakterien, die im Rahmen der Wundbehandlung bekämpft wurden, entwickelten keine Resistenz gegen den Honig.

Wichtig ist dennoch ein bewusster Umgang mit medizinischem Honig. Denn ganz ohne Antibiotika kommt man nicht aus. Da die Wirkung des Naturprodukts erst nach einigen Stunden einsetzt, wird eine infizierte Wunde von den Bonner Medizinern am ersten Tag mit dem Antibiotikum Octenidin behandelt, dann kommt der Bienennektar. Nebenwirkungen konnten Simon und sein Team bisher nur einmal feststellen: Einer der 50 Patienten reagierte mit einem allergischen Kontaktekzem auf den Honig.

Noch weiss man nicht genug über die Wirkung des Naturprodukts: In Neuseeland und Australien arbeiten Mediziner zwar seit rund zehn Jahren verstärkt mit Honig, in Amerika und auch in Europa ist der Einsatz aber noch die Ausnahme. In Deutschland sind nach Bonn ein weiteres Dutzend Kliniken auf den Honig gekommen. Unzählige einzelne Fallbeschreibungen dokumentieren bereits die effektive Wirkung der klebrigen Substanz, weitere Studien folgen, so werden zunächst 100 Krankheitsverläufe dokumentiert und ausgewertet. Mit diesem Material sollen dann weiter Untersuchungen gestartet werden. Auch Vergleiche wollen die Mediziner anstellen: Ist Medihoney bei bestimmten Wunden effektiver als etwa Kompressen, die mit Silber beschichtet sind?

Eines hat der Honig allen anderen Methoden auf jeden Fall voraus: „Die Kinder haben viel weniger Angst bei der Behandlung“, und wenn sie möchten, dürfen sie den Medihoney auch mal probieren.

https://äbe.ch