https://äbe.ch

Allerlei über Bienen und Honig



https://äbe.ch

Die Kommunikation der Bienen
Durch schwänzeln, Nektarproben und Gerüchte tauschen wird informiert wo nahrhafte Blüten, gute Futterquellen, also Nektar mit hohem Zuckergehalt zu finden ist.Gesammelt wird in einem Gebiet von max. 80 Quadratkilometern.
Im Sommer müssen die Bienen genug Honig produzieren zum überwintern. Es ist also wichtig dass sie Informationen austauschen, wo am meisten Nektar zu holen ist. Und so funktionierts: Hat eine Biene eine fette Blumenwiese entdeckt, fliegt sie in den Stock zurück und beginnt zu tanzen. Mit dem "Schwänzeltanz" zeigt sie andern Sammlerinnen, in welcher Richtung und in welcher Distanz das Feld liegt. Wedelt das Insekt mit seinem Hinterteil, beim Heraufklettern über die Waben, so liegt die Quelle in Richtung Sonne. Schwänzelt sie eher quer zu den Waben, hat die Richtung den entsprechenden Flugwinkel. Die Dauer des Schwänzelns zeigt die Entfernung zum Ziel an.

Mund-Zu-Mund-Sprache
Um den Zielstandort präzise anzufliegen, brauchen die Insekten zusätzlich Geruchsinformationen. Es ist erwiesen dass die Bienen einander den Geruch guter Nahrungspflanzen beibringen – durch die sogenannte Trophallaxis: Erfolgreiche Sammlerinnen übergeben im Stock nämlich nicht den ganzen Nektar den Empfänger-Bienen zur Weiterverarbeitung; sondern sie verteilen auch Mund-zu-Mund-Kostproben ihres Sammelguts.
Durch klassische Pavlovsche Konditionierung lernen die Bienen auf dem Belohnungsweg den Geruch guter Nektarquellen kennen und können diese gezielt anpeilen, wie Grüters Experiment nachweist: Einigen Sammlerinnen offeriert der Biologe Zuckerwasser mit einem zugefügtem Duft. Jeden Tag kommen beim 160 Meter vom Stock entfernten Zuckerwasser-Behälter neue Sammlerinnen an, die selber noch nie an dieser Quelle gesaugt haben. Diese Bienen werden abgefangen und der Forscher konfrontiert sie lediglich mit dem Geruch des Zuckerwassers – und schon strecken die Neuankömmlinge refelxartig den Saugrüssel aus. Bei Kontrollversuchen mit anderen Gerüchen zeigten die Bienen kaum Reaktion. Das Fazit: Die Bienen müssen den Geruch im Stock gelernt haben.

Erstaunlich: Schon junge Bienen lernen
Die Sammlerinnen lehren den Geruch nicht nur den andern Sammlerinnen, sondern auch den Arbeiterinnen, die noch nicht ausfliegen und den Stock erst ab einem gewissen Alter verlassen: den Ammenbienen, welche die Larven pflegen und den Empfängerbienen, die den Nektar verarbeiten. Warum bekommen nicht nur die Sammlerinnen Kostproben? Vermutet wird – erstens: Lernt die Empfängerbiene die guten Nektargerüche kennen, nimmt sie bevorzugt den Nektar mit dieser Duftnote entgegen. Guter Nektar wird so möglicherweise schneller zu Honig weiterverarbeitet».
Zweitens: Wenn junge Bienen im Stock den Duft guten Nektars kennenlernen, erinnert sie sich beim ersten Ausflug daran und sucht gezielter danach.

Bienen sind unentbehrlich
Unentbehrlich, weniger wegen dem Honig, sondern zum bestäuben der Pflanzen und Obstbäume. Honigbienen sind so etwas wie ein Bioindikator für jedermann. Eine Täuschung, wie sich am Beispiel Schweiz zeigen lässt. Es gibt hier fast zu viele Honigsammlerinnen. Wir haben meisten Bienen pro Flächeneinheit. Im Vergleich zum Pollen- und Nektarangebot gibt es fast zu viele Bienenvölker. Die Folge davon: Im Frühjahr muss der Imker die Bienen oft mit Zucker füttern.
Wo früher blühende Wiesen und Äcker gute Ernte ergaben, sind heute blütenlose Monokulturen, Pollenspender finden sich allenfalls noch in den Gärten. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft bereitet der Imkerei Sorgen. Die Heuernte vom Heumonat Juli ist um mehr als einen Monat früher, für das Silofutter wird früher gemäht, der Rotklee vor der Hauptblüte geschnitten, alles bevor die wichtigen Necktar und Pollenspender blühen.
Das trockenlegen von Sümpfen, reinigen der Getreidesaat von Unkrautsamen und die Unkrautbekämpfung brachten wertvolle Honigquellen zum Versiegen. Deshalb wird für die Bienen im Hochsommer und Frühherbst der Wald mit seinem Honigtau zur eigentlichen Trachtquelle, das heisst jene kristallklaren Exkrettröpfchen, die von Blatt-, Rinden- und Schildläusen in deren Verdauungssystem aus vorher konsumierten Pflanzensäften produziert und von den Bienen - wie Blütennektar - eingetragen werden. Ein grosser Teil des Schweizer Bienenhonigs muss daher als Waldhonig bezeichnet werden, reiner Blütenhonig wird immer seltener.
Jahrhundertelang war die Imkerei ein bescheidener Nebenerwerb der Bauern. Das Bienenhaus gehörte zum Hof wie Speicher und Stöckli. In der modernen Agrarwirtschaft bleibt für die Imkerei kaum mehr Zeit. Die Bienenhaltung hat sich immer mehr zu den Hobbyimkern verlagert. Die Hobbyimker obliegen ihr mit so viel Liebe und Hingabe, dass ihr Idealismus bereits an biologische Grenzen stösst, wenn man sich dabei die Verarmung der Landschaft und die Herbizidwelle vor Augen hält..
Die Statistik macht's deutlich, um die Jahrhundertwende gab es in der Schweiz an die 150 000 Bienenvölker, vor dem Zweiten Weltkrieg beinahe das Doppelte und am Ende des Krieges gar 450 000. In den Nachkriegszeiten sank die Zahl, kletterte aber seither wieder auf über 300 000. In einem Gebiet, in dem für 10 Völker Platz wäre, werden oft deren 50 bis 100 gehalten.
In der verbetonierten Landschaft des Kantons Zürich entfallen teilweise über zwanzig Völker auf einen Quadratkilometer. Ein einziges Volk aber braucht pro Saison zwanzig bis vierzig Kilogramm Pollen. Diese Überbevölkerung führt zu Futterkonkurrenz, Stress in den Bienenvölkern und dadurch zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit; denn Populationsüberdruck setzt Verdünnungsmechanismen in Gang - und umgekehrt.
Man neigt heute zur Ansicht, dass die hohe Bienendichte zusammen mit der in früheren Jahren Verbastardierung der einheimischen, durch oft schwarz importierte, weniger akklimatisierte und vermindert resistente Bienenrassen mitschuldig sein dürfte am immer wieder auftretenden Massensterben. Mit Seuchenbekämpfung allein ist es nicht in den Griff zu kriegen.
Solche Grossverluste sind für den Imker gravierend, für die Bienenpopulation jedoch verschmerzbar und im Lichte des Massenwechsels, das heisst des Selbstregulierungsmechanismus der Natur, auch zu verstehen. Ein Bienenvolk produziert im mitteleuropäischen Durchschnitt etwa 120 000 bis 180 000 Nachkommen pro Jahr, was einer biologischen Masse von 12 bis 18 Kilogramm Bienen (1 Kilo = rund 10 000 Tiere) entspricht. Ein gutes Polster - selbst für Massenverluste.



https://äbe.ch