Geschichten und Sagen von hier und dort

Die Sage "Wilde Jagd" wird seit dem 17'ten Jahrhundert in verschiedenen Völkern erzählt.
"Die Wilde Jagd 1"
Ein Hirte vom Lischboden, gesund und voller Kraft und Leben, so dass er keine Gatter aufmachte, sondern einfach darüber sprang, ging gerne zum Tanz oder anderen Festen. Wie er einmal, nach Mitternacht vom Gurnigelbad nach Hause ging, noch die Musik im Ohr, so dass er gerade in Versuchung geriet auf der Wege zu tanzen, wurde er plötzlich aus seiner Träumerei aufgeschreckt. Ein furchtbarer Lärm vom Gurnigel herab ertönte. Schnell wie der Wind kommt der Lärm näher und näher. "jo sterne hagel!" denkt der Hirt, und dann erschrickt er, es kommt ihm in den Sinn: "das isch ja die Wildi Jagd!". Schnell legt er sich flach auf den Boden, legt Hände und Füsse kreuzweise übereinander. Und schon fährt die Wilde Jagt ganz knapp über ihn hinweg mit lautem verworrenem Geheul. Hundegebell, Katzengeschrei, Rossegewieher, Rabengekrächze, mischen sich mit grausigem Jammern und Heulen. Der Hirt bleibt ganz still liegen bis er kaum noch Töne aus weiter Ferne hören kann. So ist er ganz unbeschadet davongekommen, und so schnell wie in dieser Nacht ist er noch nie nach Hause gerannt.

"Die Wilde Jagd 2"
Auch ein Bauer, als roher Grobian bekannt, hörte einst auf dem Heimweg die Wilde Jagd daherbrausen. Aus Dummheit wollte er da mitmachen und begann zu schreien und zu schnalzen, so laut er konnte. Da wurde im zugerufen: "Brav, Kamerad! Du wirst deinen Teil bekommen." Am andern Morgen, wie er in den Stall geht, hängt ein Viertel eines Moosweibchens an der Stalltüre. Erschrocken geht er zum Pfarrer und beichtete ihm reuig seine Dummheit. Der Pfarrer ermahnt ihn dringend zur Besserung seines Lebenswandels und rät ihm, das Fleisch da hängen zu lassen und nicht anzurühren. Der Bauer gehorchte dem Rate. Tatsächlich war das unheimliche Wildbret am andern Morgen verschwunden. Dessen ungeachtet konnte der Bauer seines Lebens nicht mehr recht froh werden, und er starb nach wenigen Jahren.

"Die Wilde Jagd 3"
Ein Bauer aus dem Guggisberg, besuchte einmal seine Verwandten im etwa 2 km entfernten Riffenmatt. Nach einem kräftigen "Znacht", zu dem auch ein paar Gläschen "Selberbrennte" gehörte, trat er nach Einbruch der Dunkelheit den Heimweg an. Obwohl gemunkelt wurde das es hier manchmal "umging", liess er sich nicht beirren und ging mit raschen Schritten dahin, denn der Weg war ihm bei Tage ja wohlbekannt, und so leicht konnte man einem kräftigen Bauernburschen nicht Angst machen. Doch zu seinem Erstaunen verlor er im waldigen Abschnitt den Weg. Dazu schob sich auch eine Wolke vor den Mond und liess es stockdunkel werden. Wie er sich zu orientieren versuchte, fing das in dieser Gegend in grosser Zahl vorhandene Wild lautstark an sich zu rühren. Rehe, Hirsche, Füchse, Krähen, Eichelhäher, Uhus und anderes Tiere begannen aufgeregt und aufgeschreckt wie in Todesangst zu schreien. Es fing an zu blitzen, donnerte und hagelte, sozusagen aus heiterem Himmel, und in der Luft war ein Sausen und Brausen zu hören wie sonst nur bei einem kräftigen Sturm. Da wusste der Bauer, dass die Wilde Jagd Wotans im Anrücken war. Wie allgemein bekannt, gab es nur dann Rettung, wenn man sich mit dem Gesicht nach unten auf den Erdboden warf; Neugierige, die das nächtliche Spektakel sehen wollten, fand man am nächsten Morgen mit gebrochenem Genick und verdrehtem Hals grässlich verstümmelt irgendwo im Wald tot liegen. Der Bauer schmiss sich deshalb in die nächste Furche und drückte sein Gesicht in den Boden. Unmittelbar neben und über sich hörte er Pferdegetrampel und -gewieher, Peitschenknallen und unverständliches brüllen. Nahes Hundegekeuche und -gebell vermischte sich mit den übrigen unheimlichen Geräuschen, und eine heisere menschenähnliche Stimme schrie „Jagt ihn! Fasst ihn!“ Der zu Tode erschrockene Bauer presste sein Gesicht noch fester ins feuchte Moos und dachte "jetzt ist es wohl aus mit mir!". Doch so schnell und schlagartig wie sie gekommen war, war sie auch vorbei, die Wilde Jagd vom Sangerenboden. Als es wieder ruhig war, fast unheimlich ruhig nach dem ganzen Getöse, stand der Bauer vorsichtig und nach allen Seiten blickend langsam auf. Hastig und ohne sich noch einmal umzuschauen rannte er heim in sein Dorf, wo er nach einer viertel Stunde zwar ungeheuer erschöpft, aber sonst doch wohlbehalten ankam.



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